Die Geschichte von Sachamanta

Der Norden Argentiniens im Jahre 2000: Auf einem Kongress beschließen die im Movimiento Campesino Santiago del Estero (MoCaSe-Via Campesina) organisierten bäuerlichen und indigenen Gemeinschaften etwas bis dahin Unerhörtes. Sie werden eigene Radiostationen aufbauen und betreiben. Sie wollen nicht länger hinnehmen, dass die Massenmedien ihre Lebenssituation entweder ignorieren oder verfälschen.

Heute existieren bereits fünf Sender. Die Campesinos nutzen sie, um über die Weite des Landes hinweg unzensiert Botschaften auszutauschen. Die Radios schaffen ein Gemeinschaftsgefühl. Sie stärken den Kampf der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gegen Landraub und Unterdrückung. Und natürlich bringen diese Sender endlich auch die Musik der Campesinos.

Es geht darum, gehört zu werden. Viviana Uriona gibt in ihrem Dokumentarfilm den Entrechteten und Widerständigen eine Stimme. Sie liefert keine Interpretation der Erzählung, sondern gibt ihren Protagonisten die Möglichkeit – gleichlaufend zu Forderungen nach eigenen Radiostationen – nackt und ungeschützt zu sagen, was Sache ist. Im Film zerschneiden die Bauern in subversiven Akten die Stacheldrahtzäune der Konzerne, gleichzeitig fallen in den Köpfen der Zuschauer die bisher sicher geglaubten Grenzen des Machbaren. Unmögliches erscheint greifbar nah.

Der Film macht Mut, gegen die eigenen kleinen und großen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu kämpfen und gemeinsam die Stimme zu erheben – erscheint es zunächst auch noch so aussichtslos.

Oder, wie die alte Eloisa im Film mit einem Kopfschütteln sagt: “Mein Mann wollte schon aufgeben. Der Arme!”

Die Filmemacherin Viviana Uriona ist Mitte der 1990er Jahre aktiv im Filmclub 813 in Köln gewesen, zuletzt erarbeitete sie zahlreiche Radiofeatures. Ihr Interesse für das Radio und seine demokratische Kraft trieb sie zu Filmarbeiten in den Norden Argentiniens. Nora Wetzel (Schnitt und Dramaturgie) ist seit 2006 selbstständig in Schnitt und Regie und arbeitete zuletzt an einem Dokumentarfilm über kubanische Straßenmusiker. Die Kameradistinnen sind eine freie Assoziation für Dokumentarfilm und Dokumentarfotografie mit einem kritischen Bewusstsein für Politik und Gesellschaft.

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Festival delle Terre

Während wir begonnen haben, für „Espejo“ einen ersten Rohschnitt zu erstellen, erreichte uns aus Rom eine wunderbare Nachricht. Sachamanta erhielt auf dem 10. Festival delle Terre eine von zwei Special Mention der Festivalleitung. Wir danken allen Menschen, die Sachamanta unterstützt haben. Das ist auch eurer Preis. Er beweist wohl auch etwas. Das Konzept der partizipativen Kamera und des kollektiven Vertriebes muss sich vor klassischen Filmproduktionen nicht verstecken.

Wir Kameradistinnen ziehen uns nun wieder vor die Schnittplätze zurück, um weiter an „Espejo“ zu arbeiten. Es gibt noch viel zu tun. Wenn ihr Sachamanta zeigen wollt, dann klickt ihr auf diesen Link und erfahrt, wie einfach das geht. Ach, und klar, wenn ihr wissen möchtet, wer eigentlich der Mann auf dem Foto ist, dann lest ihr seine denkwürdige Geschichte hier nach: Filtro.

Sachamanta_festival delle Terre

Mach mit!

Jedes Gemeindezentrum, jeder Seminarraum, jedes Klassenzimmer und jeder Jugendclub kann sich in ein kleines Programmkino verwandeln. Wenn Ihr den Film in einer öffentlichen Veranstaltung zeigen wollt, dann besorgt Euch einen Beamer und eine Leinwand und schreibt uns eine Mail an Kameradisten@gmx.de. Wir senden dann einen Downloadlink oder schicken eine DVD mit dem Film zu. Bei der Bewerbung der Veranstaltung unterstützen wir euch. Wenn ihr dabei keine Einnahmen habt, wollen wir auch kein Geld von euch.

Sachamanta wird außerdem in Programmkinos und auf Festivals gezeigt. Wenn Sie ein Kino betreiben und den Film zeigen wollen, schreiben Sie uns bitte einfach eine Mail an kameradisten@gmx.de oder nutzen Sie das Mailformular unter diesem Text. Wir senden Ihnen dann einen Sichtungsstream. Für die Vorstellung können wir Ihnen eine BluRay oder DVD liefern und sicher auch eine Diskussionsveranstaltung mit der Regisseurin Viviana Uriona organisieren.

Du spricht neben Deutsch, Spanisch oder Englisch noch eine weitere Sprache? Na, dann hilf uns doch, diese Webseite in so viele Sprachen wie möglich zu übersetzen. Nimm Dir einfach einen Text und fang an und schreib uns unter Kameradisten@gmx.de.

Du hast einen Blog oder eine Webseite, bist bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk angemeldet? Dann verlinke uns doch und mach uns’ ein wenig bekannter. Damit hilfst Du Sachamanta und den Kameradistinnen. Viele kleine Klicks summieren sich und helfen dem Projekt und der Gruppe und den weiteren Filmen, die wir bereits im Kopf haben.

Sachamanta ist durch Eigeninitiative und Spenden entstanden. Für die Öffentlichkeitsarbeit fehlen uns noch helfende Hände. Wenn Ihr den Film unterstützen wollt, dann schreibt uns eine Mail mit euren Ideen und Anregungen an Kameradisten@gmx.de

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Wissen ist Macht

Wer Radio machen will, braucht dazu die Mittel. Sendemasten und Frequenzen gibt es nicht mal eben mal zum Download. Immerhin aber eine mächtige Software, die Freeware ist und die Aufnahme, den Schnitt und die Nachbearbeitung von Audiomaterial ermöglicht: Audacity. Viele Tausend Radiomacherinnen nutzen sie weltweit. Ein umfangreiches Manual von Heike Demmel und Andreas Klug ermöglicht die sichere Handhabung. Doch in Lateinamerika hatte die Software bislang Mühe, Fuß zu fassen. Nun hat Fabian Kern von Radio Dreyeckland die Anleitung ins Spanische übersetzt. Wir glauben, die Wirkung wird immens sein. Audacity wird vermutlich bald schon die meist genutzte Software in den freien Radios Lateinamerikas sein.

Audacity kann man hier herunterladen: Download; Das neue Manual auf Spanisch von Fabian Kern gibt es hier: Manual

Espejo im Kasten!

Über vier Wochen waren wir Kameradistinnen in Argentinien unterwegs, um den Campesinos ihre eigene filmische Geschichte und die Reaktionen des bundesdeutschen Publikums auf diese Geschichte zurückzubringen. Uns begleitete die Drehausrüstung und die Unterstützung von hunderten von Menschen daheim. Wenn wir zwischen Glühwürmchen und Sternenhimmel saßen und mit den Campesinos “Sachamanta” in der Sommernachthitze sahen, haben wir oft an euch gedacht. Ohne Euch, ohne eure materielle Unterstützung bei Inkubato und eure Spenden, ohne eure Hilfe und eure Ratschläge und eure Öffentlichkeitsarbeit hätte diese neue Drehreise nicht stattgefunden. Nun ist das umfangreiche Footage für “Espejo” im Kasten. Wir werden uns nun durch 20 Stunden Film graben und sichten und schneiden. Drei Dinge sind schon sicher.

Im Film werdet ihr sehen, was wir auch gehofft haben zu finden: Die Reaktionen der Campesinos auf eure Briefe und Fragen sind berührend.

Es geschehen neue beeindruckende Dinge in Santiago del Estero. Vor der fünften Radiostation in Ojo de Agua wachsen neue, große Gebäude aus dem Buschland. Die Campesinos haben damit begonnen, ihre eigene Universität zu errichten. Auf dem Lehrplan steht eine Zukunft ohne Ausbeutung und ein Leben in Freiheit und Würde.

Vielleicht wird “Espejo” nun doch nicht “Espejo” heißen. An der Radiostation “Fm Sacha Huayra” in Tintina fragte DJ Coqui seine Hörerinnen und Hörer, welche Ideen sie für den Titel des neuen Filmes haben und es gab viele Vorschläge in der indigenen Sprache Quechua. Es kommt eben doch nicht immer alles so, wie man gedacht hat.

Einige Fotos und Geschichten entlang der Dreharbeiten sind bereits online. Kameradist Wagner hat achtzehn neue Posts auf seinem Fotoblog veröffentlicht. Der Link führt zum ersten Post. Die Pfeile auf der rechten Seite der Bilder und Texte führen durch die Geschichte voran.

Sachamanta

Espejo beginnt…

Update (Februar 2013): Espejo ist nun abgedreht und wir sichten. Mit dem folgendem Text hatten wir zum Ende des letzten Jahres (2012) zur Unterstützung für eine Fortsetzung von Sachamanta aufgerufen und überwältigende Reaktionen erfahren.

“Dokumentarfilme über ferne Realitäten sind ja meist eine Art Einbahnstraße. Sie werden an einem Ort gefilmt und dann beim Publikum abgesetzt. Mit eurer Hilfe kann das auch mal anders laufen. Wir, die Kameradistinnen, eine Berliner Gruppe für Dokumentarfilm und Dokumentarfotografie, wollen unseren fertigen Kinofilm Sachamanta zurückbringen an seinen Handlungsort und darüber erneut einen Dokumentarfilm drehen. Eigentlich haben wir auch keine Wahl dazu. Wir müssen das tun. Warum? Eins nach dem Anderen. Wir erzählen euch zunächst von Sachamanta.

Sachamanta nimmt euch mit in den Norden von Argentinien. Dort kämpft die Bewegung MoCaSe-Via Campesina (Die Bewegung der Kleinbauern) gegen Landgrabbing. Landraub ist eine miese Praxis, die überall auf der Erde die Lebensgrundlagen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bedroht und das ökologische Gleichgewicht zerstört (genmodifiziertes Saatgut und giftiger Dünger).

Doch in der Region Santiago del Estero haben sich die Campesinos im Kampf gegen große Konzerne wie Monsanto & Co. niemals die Butter vom Brot nehmen lassen. Diese Leute haben bislang jeden einzelnen Quadratmeter Land immer wieder zurückerobert. Sie haben dazu weder Waffen noch Gewalt gebraucht. Ihr Geheimnis ist die Kommunikation.

Schrittweise schufen die Menschen der Bewegung eine mediale Macht. Sie taten das in einem Landstrich, in dem es kaum Internet gibt, selten überhaupt Strom existiert und der Handyempfang durchweg schlecht ist. Die Menschen der Bewegung errichteten 5 Radiostationen – eine davon solarbetrieben. Diese untereinander vernetzen Stationen ermöglichen den unzensierten Austausch von Informationen über die Weite des dünn besiedelten Landes. Soll nun einem Campesino der Boden genommen werden, erscheinen bald darauf Tausende am Ort des Geschehens und unterbinden den Landraub. Wird Jemand bedroht oder schikaniert, dann gibt es dafür sofort eine Öffentlichkeit und Hilfe und Unterstützung für die Bedrohten. Von diesen Menschen handelt unser Film Sachamanta.  Ihr könnt ihn im Kino ansehen oder selbst eine Vorstellung auf die Beine stellen, wie schon viele Leute es getan haben.

Was ist Espejo?

Als wir Sachamanta drehten, haben uns die Campesinos um etwas gebeten. Die Campesinos wollten wissen, was die Menschen in der Bundesrepublik und in Europa empfinden und denken, wenn sie den Film sehen. Wir versprachen daraufhin, den fertigen Film und die Gedanken und Emotionen der Zuschauer nach Santiago del Estero zurückzubringen – und über diese Rückkehr einen neuen Film zu drehen.

Wir haben diesem Film-Projekt den Arbeitstitel “Espejo” (Spiegel) gegeben. Denn Sachamanta wird sich in Espejo spiegeln. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer haben uns in der Bundesrepublik nach dem Kinobesuch geschrieben oder Audios zugesandt. Wir haben auch Filmaufnahmen von Vorführungen. Das alles sind noch unveröffentlichte Botschaften an die Campesinos. In Ihnen steckt Bewunderung und Lob. Viele Fragen gibt es. Auch Skepsis ist zu lesen. Aber in den Botschaften steckt vor allem viel neu gefasste eigene Hoffnung und eigener Mut – nämlich, dass es gelingen kann, auch hierzulande mehr Gerechtigkeit zu erkämpfen. Espejo wird davon erzählen, wie die Campesinos diese Botschaften annehmen und was sie zu sagen haben.

Wie schon bei “Sachamanta” werden wir auch bei „Espejo“ stille BeobachterInnen sein und uns (bei Dreh und Schnitt ) um Echtheit und Realität bemühen.

Beide Filme zusammen werden wir dann 2013 auf einer DVD veröffentlichen und als BluRay auch noch einmal den Kinos anbieten. Wie es jetzt schon bei Sachamanta die Praxis ist, erhalten dann wieder Alle, die auf eigene Faust eine öffentliche Vorführung organisieren möchten, beide Filme kostenlos zugeschickt. Spätestens ab Ende 2013 stellen wir “Sachamanta & Espejo” unter eine offene Lizenz.

Was brauchen wir und warum?

Finanzieren müssen wir die Hin- und Rückflüge für zwei von uns, die Kosten für die Busreisen im Inland, eine HD-Kamera (die alte ist im Bruch und konnte auch nur MiniDV ), tragbares Soundequipment (beim ersten Film haben wir das schlechte Equipment in der Nachbearbeitung büßen müssen), die Miete für einen Schnittplatz, die Pressungen der DVD’s und geringe Honorarmittel für die Übersetzung der Untertitel.

Um diese Kosten zu decken, werden wir die kompletten Einnahmen aus den Kinovorstellungen und Gelder von Stiftungen in einen Topf werfen. Die fehlenden Mittel wollen wir über eine Crowdfunding-Kampagne zusammenbekommen. Die Kampagne ist unter diesem Link bei Inkubato zu finden: ESPEJO.

Wie könnt Ihr Espejo helfen?

Stellt Euch vor, eine Crowdfundingaktion erreicht über Mail, Twitter und Facebook die Zahl von nur 10 000 Menschen und nur jeder Zehnte entschließt sich, nur 5 Euro für ein Projekt zu geben. Dann bedeutet das bereits Einnahmen von 5000 Euro. Darin liegt die Kraft des Crowdfunding. Ganz abgesehen davon, dass es vielen Menschen die Möglichkeit gibt, recht demokratisch zu bestimmen, welche Filme gedreht werden sollten.

Doch 10 000 Menschen muss man erst einmal erreichen. Wir haben dazu einen Plan und wir bitten euch um Hilfe. Der Plan ist es, eine Art MiniCrowd zu bilden, eine Gruppe aus 20 – 50 Menschen, die täglich ein wenig tun für die Verteilung der Aktion. Ihr erzählt von der Aktion zum Beispiel auf Facebook oder twittert etwas über das Projekt, postet einen Hinweis auf relevanten Webseiten, verlinkt auf eurer eigenen Webseite oder denkt euch etwas aus, worauf wir noch gar nicht gekommen sind. Wenn es passt, verbindet ihr mit diesen Aktionen gleich die Bitte, die Informationen weiterzugeben an andere Menschen, die an der Sache Interesse haben könnten.

Wir haben euch eine Espejo-Carepaket gepackt, das ihr herunterladen könnt und das Grafiken und Texte enthält, mit denen ihr arbeiten könnt: Carepaket Espejo

Mit einem Klick auf diesen Satz, könnt Ihr die Inkubatoseite von Espejo auf Facebook teilen.

Ihr könnt uns auch auf Twitter folgen und/oder die Kameradistinnen-Facebookseite liken – dann erhaltet ihr immer alle Informationen, die ihr benötigt. Also, zieht ihr mit?

Herzliche Grüße, Eure Kameradistinnen.

Updates:

* Das Neue Deutschland brachte in Print und Online ein Interview mit Viviana Uriona zum Crowdfunding für Espejo…das zweite gemeinsame Projekt der Kameradistinnen.

* ColoRadio interviewte Vivi zu Sachamanta und zum Crowdfunding von Espejo. Das Interview gibt es hier auch zum Download und hier zum sofort anhören.

* Katja Kipping veröffentlichte auf ihrer Webseite einen Unterstützertext für Espejo.

* Filmemacher Rainer Knepperges (“Die Quereinsteigerinnen”) unterstützt Espejo und Sachamanta.

* “Grüne Unternehmen” wie feel & free oder der Verein “Slowfood e.V.” werben für Espejo auf ihren Facebookseiten.

* Blogger schreiben Supportartikel für Espejo. Danke an wemgehoertdiewelt.de: Resistance is a radio star, und an: commonsblog und Katharina Weise.

* Stiftungen und Initiativen beginnen damit, für Espejo die Werbetrommel zu rühren. Danke insbesondere an ethecon, die RLS, die Aktionsgemeinschaft für eine solidarische Welt und Amerika21.

* Cultrun unterstützt Espejo auf seiner Webseite.

* Filme-Welt.com hat Espejo finanziell und redaktionell unter die Arme gegriffen.

* Die Frankfurter Rundschau (Kampf um Land, FR, 4.12.12) berichtete über die Vorführung von Sachamanta im berühmt-berüchtigten Club Voltaire, Espejo und unser Crowdfunding.

* Die Oya wird über Espejo berichten. Die ILA wird in ihrer kommenden Ausgabe über Sachamanta eine Rezension bringen.

* Die Modedesignerin JaQueen gestaltet die Säume für die großen Leinwände (1,50 * 3 Meter) mit den Kopien der Briefe an die Campesinos.

* Nachtrag: Nun twittern, mailen und facebooken vermutlich schon einige hundert Menschen über Espejo. Die Webseite springt auf einen Pagerank von 4. Unsere Facebookseite spricht sich herum. Wir bekommen fast täglich Kino- und Festivalanfragen.

* In der Nacht auf den 11. Dezember explodieren die Spendenzugänge. Bis dato (11.12.2012 um 14.51 Uhr) wurden 89 Prozent der Finanzierung in nur 25 Tagen erreicht. Wir umarmen die Menschen, die den Campesinos und uns Kameradistinnen ihr Vertrauen schenken. Es bleiben noch 33 Stunden, um die notwendige Zielsumme zu erreichen. Nur wenn das gelingt, steht das Funding zur Verfügung.

* 15.01 Uhr: Es sind 90 Prozent. Dieser Post wird wohl ein Ticker werden.

* 18.11 Uhr: Es sind 95 Prozent. Achtundsiebzig Menschen unterstützen das Projekt. “Nur” 260 Euro fehlen noch.

* 23.45 Uhr – 85 Unterstützerinnen haben es vollbracht. Einhundert Prozent. Die Finanzierung steht. Vivi, Chris und Mark sitzen mit einer Freundin und einer Flasche Wein (zwei haben wir noch) und wir stoßen an auf all die Menschen, die uns ihr Vertrauen schenkten. Nora beschützt das Kind in ihrem Bauch und ist in Gedanken bei uns. Jan rufen wir jetzt an. Der Ticker läuft.

* Nachtrag: Bis in den Morgen antworten wir auf Tweets und Mails, bekommen Anrufe. Viele Menschen sind wach geblieben, um den Ausgang des Crowdfundings zu sehen und gratulieren nun. Alle diese Glückwünsche geben wir denen weiter, die Espejo unterstützt haben.

* 12.12.1212 / 16.08 Uhr – Studentinnen und Studenten der Alice Salomon Hochschule Berlin haben ein Solidaritätsbrunch organisiert und durchgeführt und wollen den Ertrag in das Crowdfunding einbringen. Ein fettes Danke an Derya, Maria und all die politisch bewusst denkenden jungen Menschen, die dabei waren. Das Funding steht jetzt bei 102 Prozent und hat das 90 Unterstützerinnen und Unterstützern zu verdanken.

* Nachtrag: Hispanovision ruft dazu auf, das Projekt bis zur letzten Minute zu unterstützen.

* alex11.org veröffentlicht eine Kritik zu Sachamanta mit – wie wir finden – klugen vergleichenden Analysen zur AktivistInnenszene in der Bundesrepublik. Natürlich fehlt auch nicht der Aufruf, Espejo zu unterstützen.

* 21:05 Uhr: Das Funding steht bei 103 Prozent. Dafür haben 92 UnterstützerInnen gesorgt und noch viel mehr Menschen, die auch mit Posts, Mails, Anrufen und in persönlichen Begegnungen für Espejo geworben haben. Euch allen danken wir.”

Kleines FAQ zum Crowdfunding

Update (Febraur 2013): der folgende Text war ein kurzes FAQ zum Crowdfunding für den Dokumentarfilm Espejo. Inzwischen hatte das Crowdunding Erfolg und wir sind vom Dreh zurück und sichten.

“0. Was ist Espejo denn?

Ein Film über indigene RadiomacherInnen im Kampf gegen Landgrabbing. Mehr Infos gibt es hier: Woher nehmt ihr nur all den Mut?

1. Ich kann da höchstens 5 Euro geben. Das bringt doch alles Nichts.

Doch, das bringt was. Viele kleine Summen können sich schnell summieren.

2. Oh, ich muss mich bei Inkubato ja erst anmelden. Paypal habe ich auch nicht.

Inkubato ist eine seriöse Plattform. Sie werden Deine Daten nicht missbrauchen. Sie leben vom Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer und wissen das auch.

3. Das ist alles ziemlich aufwändig  – die Anmeldung und so.

Ein interessantes Gespräch dauert Zeit. Die Lektüre eines tollen Artikels dauert Zeit. Einen Film anzusehen, dauert auch Zeit. Dagegen ist die Zeit, die für eine Spende für einen Film nötig ist, eigentlich nicht so lang, oder?

4. Was passiert denn, wenn Die Zielsumme nicht erreicht wird?

Dann bekommen wir Nichts und die Spenderinnen und Spender behalten ihr Geld.

Ausführlich hier: INKUBATO

5. Ich hab gespendet! Was mache ich jetzt bloß?

Dann erzähle bitte davon Anderen. Sowas wirkt wahre Wunder.

6. Ich möchte helfen, das Projekt bekannt zu machen. Soll ich mir dazu jetzt einfach Inhalte zu Espejo von eurer Webseite ziehen?

Klar, warum nicht. Außerdem gibt es auch noch einen Download hier: Carepaket Espejo”

Heute tanzen sie. Morgen wird gekämpft.

Region Santiago del Estero, April, eine Sommernacht im Jahre 2010: Ich sehe die tapferen Menschen tanzen. Sie tanzen zu der Musik, die sie aus ihren Radios kennen. Nackte Füße wirbeln durch Staub. Hände fassen sich. Lichter funkeln durch die Dunkelheit. Ich denke, dass Menschen einen Ort sehr verändern, an dem sie tanzen. Sie nehmen diesen Ort ein. Ein trockener Rasen kann ein Festsaal sein, neun Bretter eine Bühne. Ich denke, dass Menschen auch den Ort verändern, an dem sie arbeiten. Eine Brache kann Acker werden. Ein Sumpf wird satte Krume. Die Heimat wird aus Schweiß gemacht. Man lässt sie sich nicht fortnehmen. Heute wird getanzt, morgen schon wieder gekämpft.

Seit über 20 Jahren wehren sich die bäuerlichen und indigenen Gemeinschaften der Region Santiago del Estero gegen Landraub und Entrechtung. Wenn einem von ihnen der Boden von großen Konzernen gestohlen wird, versammeln sie sich, um die neu errichteten Zäune niederzureißen. Sperrt man Einzelne in das Gefängnis, kommen sofort Viele und fordern deren Freilassung. Der Kampf der Campesinos zeigt Erfolge. Durch ihre Beharrlichkeit sind sie zu einer Macht im Land geworden. Sie sind eine Macht mit fünf kraftvollen Stimmen: Das sind die fünf bäuerlichen Radiostationen, die den unzensierten Austausch von Botschaften und Absprachen über die Weite des Landes ermöglichen. Die Radios schaffen ein Gemeinschaftsgefühl und natürlich senden sie auch die Musik, die die Campesinos lieben.

Ich sah die tapferen Menschen tanzen, lachen und sich küssen und ich dachte, dass es überall auf der Welt um dieselben Fragen geht. Warum ist das Recht nicht auf der Seite der Tanzenden? Wieso gibt es den Tanzplatz jenen, die ihn gar nicht beleben? Warum gibt es den Acker jenen, die ihn nicht selbst bewirtschaften? Weshalb platzen die Banken des Westens vor Vermögen, das sie gar nicht erarbeitet haben?

Seit über zwanzig Jahren wissen die Bauern und Indigenen der Region Santiago del Estero nicht nur die Antwort auf diese Fragen: Sie leben diese Antwort jeden einzelnen Tag. Die Antwort lautet: Weil es nur die Gerechtigkeit gibt, die auch erkämpft wurde. Die Menschen dort haben nicht nur Orte verändert. Sie haben auch sich selbst verändert, als sie zu kämpfen begannen. Aus Verzagtheit wuchs Mut. Die Angst verwandelte sich in Hoffnung. Die Gerechtigkeit war nicht länger nur ein Traum: Sie wurde zu einer Aufgabe.

Eine Geschichte ihrer Erfüllung erzählt der Dokumentarfilm Sachamanta. Den Trailer können Sie hier sehen.

Letzte Arbeiten

Sachamanta steht kurz vor dem Abschluss (Ergänzung: heute ist der Film abgeschlossen; zum Stand der Arbeiten siehe Schluss dieses Posts) und es ist dennoch noch eine ganze Menge zu tun. Zurzeit bearbeiten wir das Material im Feinschnitt. Folgende Aufgaben liegen noch vor uns: Stabilisierung und Wandlung, Farbkorrektur (Anpassung von Licht und Farbe, da das Ausgangsmaterial aus verschiedenen Jahren stammt), Einbetten der Filmmusik, Sounddesign und Vervollständigung der Animationssequenzen.
Parallel dazu werden die transkribierten Texte ins Englische und Deutsch übersetzt und Untertitel gesetzt und angelegt. Sachamanta ist ab diesem Zeitpunkt schon ein fertiger Film.

Damit der Film jedoch von der Festplatte unserer Cutterin Nora auf die Leinwände und Bildschirme kommen kann, muss er auf DVD gebracht und bekannt gemacht werden. Unser Graphiker gestaltet das Menü und Cover, Plakate und Werbepostkarten. Die DVDs werden gebrannt, DVD-Cover, Postkarte und Plakate gehen in den Druck. Parallel beginnt die Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland. Der Film wird Programmkinos angeboten und auf Filmfestivals präsentiert. Darüber hinaus wollen wir Sachamanta bei politischen Veranstaltungen zeigen, die das Thema betreffen. Natürlich wird man ihn in Kürze auch hier auf dieser Webseite bestellen können.

Sehr wichtig ist uns, dass Sachamanta in Argentinien gezeigt wird. Wir wünschen uns, dass es seinen Protagonisten neuen Mut und neue Kraft für ihre Kämpfe gibt. Mit dem Film im Gepäck werden wir im Winter 2012 nach Argentinien zurückkehren und auf diese Weise etwas von dem, was wir dort erleben und filmen durften, den Menschen, die uns vertraut haben, zurückgeben.

Stand 22.12.2011: Rohschnitt abgeschlossen. // Stand 20.01.2012: Transkription für die Untertitel und Untertitel in deutsche Sprache abgeschlossen. // Stand 15.02.2012: Filmmusik von Raly Barrionuevo abgeschlossen. // Stand 18.07.2012: Feinschnitt, Stabilisierung, Wandlung und Farbkorrektur abgeschlossen. Stand 18.07. – 19.9. 2012: Tonkorrektur abgeschlossen // Kinoversionen des Filmes auf DVD und BluRay abgeschlossen // Plakate und Postkarten fertiggestellt // Beginn der Arbeiten für die Consumer-DVD

Sachamanta – zum Konzept

Sachamanta ist in mancherlei Hinsicht kein typischer Dokumentarfilm. Die Geschichte stand nicht schon vor den Aufnahmen fest, sie entwickelte sich. Die Interviews wurden zum Teil von den Befragten selbst erstellt. Die Handlung wiederholt sich nicht – obgleich sie viermal erzählt wird.

All das war Absicht und soll hier erläutert sein. Wir haben nicht nur klassische Interviews geführt, sondern sie in Teilen auch in einer Art partizipativer Gruppenarbeit gewonnen. In den vier vorgestellten Radiostationen stellten sich dazu die „BetreiberInnen“ der Radios die gleichen Fragen. Zwei Schachteln wurden dazu auf den Tisch gestellt. Die erste enthielt die Namen der Teilnehmer, die zweite die Fragen. Nun wurden zwei Namen gezogen: Der Erste übernahm die Kameraführung, der Zweite beantworte eine gezogene Frage. Danach stand es allen anderen TeilnehmerInnen offen, sich ebenfalls zur Frage zu äußern. Die Kamera wurde der Person übergeben, welche die Frage beantwortet hatte. Ein neuer Name und eine neue Frage wurden gezogen… Durch die wiederkehrenden Fragen werden die unterschiedlichen Radiostationen thematisch miteinander geknüpft. Zugleich wird dadurch eine thematische Ordnung des Filmmaterials hergestellt.

Der Film gliedert sich in mehrere Kapitel, welche die Schwerpunkte markieren: das Land, die Rechte der BäuernInnen und der indigenen Bevölkerung, die Notwendigkeit, sich zu organisieren, der Aufbau der Organisation MoCaSe-Via Campesina, die Radios und die Rolle der Kinder in der Bewegung und in den Radios. Die thematische Ordnung ermöglicht es, die unterschiedlichen Radios darzustellen, ohne das einem Sender mehr Gewichtung zukommt als einem anderen. Darüber hinaus werden Wiederholungen vermieden und die wesentlichen Themen aufeinander aufgebaut.